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Angehörige

Wenn eine seelische Erkrankung festgestellt wird, dann sollten Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen und Vorgesetzte zuallererst Ratschläge vermeiden. „Auch ein Ratschlag ist ein Schlag.” Man tendiert verständlicherweise dazu, weil man die seelischen Erkrankungen mit Stimmungsschwankungen, Erschöpfungsreaktionen oder einem „Durchhänger” gleichsetzt. Es gelten hier aber andere Gesetze. Die Aufforderung an einen hoffnungslosen, apathischen oder willensgeschwächten kranken Menschen, sich „zusammenzureißen”, verstärkt die Verzweiflung. Der kranke Mensch ist nicht unwillig, sondern unfähig. Ablenkungs-, Vergnügungs- oder Zerstreuungsmöglichkeiten anzubieten oder zu empfehlen ist ebenfalls schädlich. Ein Mensch, der die Fähigkeit verloren hat, sich zu freuen, kann damit nichts anfangen, sondern wird noch deprimierter und schuldbeladener. Man kann einem seelisch kranken Menschen auch nicht einreden, dass es ihm doch „eigentlich gut” gehe. Wenn es so wäre, würde der Betroffene das am besten merken. Solche Äußerungen lassen sich aber leicht als Verkennung des Leidens oder als Misstrauen missverstehen. Auch Urlaub oder ein „Kuraufenthalt" ist eher schädlich. Der kranke Mensch empfindet fremde Umgebung als belastend. Seine Kontaktschwäche wird ihn noch mehr isolieren. Seine Minderwertigkeitsgefühle werden sich verstärken. Teilnahmslosigkeit, Grübelzwang und die Angst, anderen zur Last zu fallen, verschlimmern sich.

Subjektiv unkorrigierbar sichere Überzeugungen (Wahn) kann man niemandem ausreden, das ist ja gerade das Symptom. Solche Wahn-Ideen sind nicht mit logischen Argumenten zu korrigieren. Sie beweisen dem Kranken nur, dass ihn niemand versteht. Der seelisch kranke Mensch sollte keine (wichtigen) Entscheidungen treffen. Wenn er wieder gesund ist, ist er im Vollbesitz seiner Kräfte. Da der depressiv kranke Mensch alles durch eine „schwarze Brille” sieht und der psychotisch kranke Mensch die Wirklichkeit verzerrt wahrnimmt, werden die meisten Entscheidungen zu ihrem Nachteil ausgehen. Später sieht dann alles wieder ganz anders aus und er wird sich fragen, warum man ihn diese Entscheidung hat treffen lassen.

Die Auseinandersetzung und Kommunikation mit seelisch kranken Familienmitgliedern und Freunden ist sehr schwierig. Häufig versuchen Angehörige, die Krankheit, aber auch unmittelbar den seelisch kranken Menschen mit Kritik und Kontrolle zu dominieren. Das ist eine Schutzreaktion, die aber für beide schädlich ist. Sie führt zu einer Blockade der Kommunikation und zu wachsenden Spannungen. Besser ist es, einfach Mitgefühl zu zeigen. Gegenseitiges Verständnis muss gepflegt werden.

Damit die Krankheit geheilt werden kann, muss der Betroffene unbedingt in Behandlung. Das kann v.a. am Anfang auf heftige Gegenwehr stoßen. Viele seelisch kranke Menschen halten sich nicht für „krank”. Vielleicht schämen sie sich auch, weil sie kein „normales” Leiden vorweisen können. In den fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist die fehlende Krankheitseinsicht ein Symptom und erschwert den fachgerechten Umgang zusätzlich. Angehörige sollten sich nicht entmutigen lassen, auch wenn der seelisch kranke Mensch unnahbar, reizbar oder aggressiv wird. Das ist nie persönlich gemeint. Liebevolle Unterstützung und Mitgefühl helfen auch hier, um den seelisch kranken Menschen zu einer Behandlung zu bewegen. Wenn es möglich ist und der Betroffene es nicht sofort ablehnt, ist es gut, wenn Angehörige denjenigen beim Arztbesuch begleiten. Häufig kann man dem Arzt wertvolle Hinweise geben.


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