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Epilepsie

Unter einer Epilepsie, die im Deutschen „Fallsucht” genannt wurde, versteht man ein Krankheitsbild mit mindestens zwei wiederholt spontan aufgetretenen epileptischen Anfällen (Krampfanfällen). Ein epileptischer Anfall ist die Folge attackenartiger synchronisierter Entladungen von Nervenzellen des Gehirns, die zu einer plötzlichen unwillkürlichen wiederholten Verhaltens- oder Empfindungsstörung führen.

Die Diagnose wird neben der Erhebung der typischen Krankengeschichte durch eine Messung der Hirnstromaktivität (EEG) unterstützt. Auch bildgebende Untersuchungen gehören zur Routinediagnostik, um andere Erkrankungen des Gehirns, die diese spontanen synchronen Entladungen verursachen könnten, auszuschließen. Die Behandlung besteht in der Gabe von Medikamenten, die diese synchronen Entladungen dämpfen (Antikonvulsiva). Akut ist in der Regel KEIN Eingreifen nötig und der Anfall endet nach (maximal) wenigen Minuten von selbst. Die nötigen Hilfmaßnahmen bestehen in der Verhinderung von Verletzungen im Sinne von Polsterung und Entfernen von umgebenden Gegenständen. Wenn jedoch mehrere Anfälle aufeinander folgen, sollte unbedingt ärztliche Hilfe gerufen werden.

Es können viele verschiedene Formen von Anfällen unterschieden werden wie der „generalisierte Krampfanfall”, der „konvulsiv” ablaufen kann und dann auch „tonisch-klonisch” oder „Grand-Mal” genannt wird. Er geht einher mit Bewusstseinsverlust, Sturz, Verkrampfung und rhythmischen Zuckungen. „Nicht-konvulsiv” oder auch „Petit-mal” werden Anfälle genannt mit Bewusstseinspause, aber ohne Sturz. Es gibt auch „partielle Anfälle”, die auch „fokal” genannt werden und von einer ganz bestimmten Hirnregion ausgehen und sich somit auch in ganz bestimmten körperlichen Anzeichen äußern. Wenn man beim Anfall wach ist und angemessen auf seine Umgebung reagieren kann, wird der Anfall „einfach partiell” genannt. Wenn das Bewusstsein eingeschränkt ist und eine Erinnerungslücke oder Verwirrtheitszustände während des Anfalls oder danach auftreten, wird der Anfall „komplex partiell” genannt. Weitet sich das Anfallsgeschehen nach „partiellem” Beginn zu einem „generalisierten” Anfall aus, dann spricht man von einem Anfall mit „sekundärer Generalisierung”.

Bei Kindern gibt es die sogenannten „Fieberkrämpfe”, die unter fieberhaften Infekten auftreten und meist generalisierte, tonisch-klonische Anfälle sind. Sie sind meist harmlos und gehen nur ausnahmsweise mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie einher. Anfälle können bei jedem Menschen durch Alkohol(entzug), Drogen oder Medikamente, Schlafentzug, Flackerlicht, oder Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns ausgelöst werden. Sie zählen zu den sogenannten „Gelegenheitsanfällen” wie auch einzelne Krampfanfälle ohne erkennbare Provokation, die nur einmalig auftreten.

Die Epilepsie ist so alt wie die Menschheit und gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. Weil das Erscheinungsbild so spektakulär ist, wurden Epilepsiekranke immer „besonders” wahrgenommen. Bereits im Reich der ägyptischen Antike und zur Zeit der Babyloniker waren Anfallskranke bekannt. Bei den Griechen galt die Epilepsie als die „heilige Krankheit”. Rund 400 Jahre vor Christus schrieb der griechische Arzt Hippokrates, dass das Gehirn für die „heilige Krankheit” verantwortlich sei. Im Mittelalter wurden Epilepsiepatienten häufig als „Besessene” angesehen. Es gab über alle Zeiten berühmte Epilepsiekranke wie Alexander der Große, Julius Cäsar, Napoleon, Gustave Flaubert, Dostojewski, Agatha Christie, Molière, Vincent van Gogh, Georg Friedrich Händel, Alfred Nobel und viele andere. Mit Pius IX. gelangte ein Epilepsiepatient auf den Papststuhl, so dass auch von „Besessenheit” keine Rede mehr war.


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