Multiple Sklerose = Enzephalomyelitis disseminata
Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie ist nach der
Epilepsie die zweithäufigste neurologische Erkrankung junger Erwachsener. Im Gehirn und im Rückenmark treten verstreut Entzündungen auf, die durch den (fehlgeleiteten) Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Nervenzellen entstehen. Hierdurch kommt es zu einer verminderten Leitfähigkeit der Nervenbahnen, wodurch die Symptome wie Gefühlsstörungen (Taubheit oder Kribbeln), Schwäche oder Sehstörungen ausgelöst werden können. Die MS führt entgegen der landläufigen Meinung nicht regelmäßig zu einer schweren Behinderung. Die mittlerweile guten Therapiemöglichkeiten haben die Anzahl der Patienten mit Behinderungen weiter reduziert.
Es werden mehrere Verlaufsformen unterschieden: die schubförmig remittierende MS, die primär progrediente und die sekundär progrediente MS. Beim schubförmigen Verlauf treten die Entzündungen in akuten Phasen auf und die Symptome klingen nach der Entzündung z.T. auch vollständig wieder ab. Beim primär und beim sekundär progredienten Verlauf verstärken sich die Symptome schleichend langsam.
Zur Diagnosesicherung werden zusätzliche Untersuchungen notwendig. Zunächst findet eine körperliche Untersuchung statt. Dann werden bestimmte Nervenmessungen
(Evozierte Potentiale) und eine
kernspintomographische Untersuchung durchgeführt, wobei man typische Veränderungen feststellen kann. Bei ausreichend begründetem Verdacht wird dann die Untersuchung des Nervenwassers
(Liquoruntersuchung) mittels einer
Lumbalpunktion notwendig. Die Lumbalpunktion wird am unteren Rücken durchgeführt, weil das Rückenmark auf Höhe der Brustwirbelsäule endet und so die Punktion ungefährlich ist. Das Nervenwasser (Liquor) weist im Fall einer Multiplen Sklerose typische entzündliche Veränderungen auf.
Durch die Medikamente kann eine Verringerung der Schubfrequenz und der Schwere eines Schubes sowie ein Schutz der Nervenzellen erreicht werden. Bei einem akuten Schub kann die Entzündungsreaktion innerhalb kurzer Zeit mittels hoch dosiertem Cortison als Infusion, z.B. 500 Milligramm über fünf Tage, 1000 mg über drei oder fünf Tage oder 2000 mg über fünf Tage je nach Schwere der Entzündung und Konstitution des Patienten beendet werden. Als Langzeitschutz und –behandlung werden mittlerweile aufgrund der guten Studienergebnisse
Interferone, monoklonale Antikörper und Mitoxantron eingesetzt.
> zurück zur Übersicht